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News vom 02.03.20

Verfasst am 02.03.2020


Profi Mountainbiker, einer der besten deutschen Marathonfahrer und XC Fahrer – Max, Du hast schon öfter bewiesen, dass du schneller sein kannst, als alle anderen. Jetzt noch ein eigenes Produkt. Wie kommt es?

Ich studierte an der TU München Sportwissenschaften, mit dem Schwerpunkt „Biomechanik“. Wie immer zum Ende eines Studiums, gehört auch eine Abschlussarbeit – so auch bei mir. Also habe ich Themen gesucht, die mich einerseits interessieren und andererseits auch einen Nutzen erfüllen. Da ich zu diesem Zeitpunkt von SQlab gesponsert und gleichzeitig als Werkstudent angestellt war, kam ich mit Chef Toby Hild in das Gespräch. Ich schlug ihm vor, meine Masterarbeit über einen detaillierteren Einblick in die Satteldruckverteilung auf dem Mountainbike sowie Rennrad, in einer sehr sportlicher Sitzposition, zu machen. Da ich selbst überwiegend mit dem 612 Ergowave Sattelmodell Rennen gefahren bin, wollte ich auch genau diesen in meiner Studie genauer untersuchen. Die Idee brachte dann mein Abschlussthema mit sich: „Belastungsindizierte Veränderungen des Satteldrucks im Radsport anhand einer dynamischen Druckmessanalyse des SQlab 612 Ergowave Sattels“. 

Während der Voruntersuchungen und den ersten Ergebnissen saßen Chef Toby und ich erneut zu einer Besprechung zusammen und ich habe ihn schließlich gefragt „wie ernst“ ich das Ganze betreiben sollte? Ich hatte weder einen Job noch eine konkrete Idee, was nach dem Studium kommen sollte. So wurde aus dieser Masterarbeitsbesprechung ein Bewerbungsgespräch, mit folgender Aussage von Toby: „Mach die Masterarbeit so gut es geht und wenn die Ergebnisse ausschlaggebend genug sind, um den 612 Ergowave noch zu verbessern, dann mach das!“  

Die Festanstellung mit Ausblick auf ein eigenes Produkt, war ein toller Vertrauensbeweis von Toby mir gegenüber, der mich sehr für meine folgende Arbeit motiviert hat.


SQlab ist bekannt für ergonomische Sättel, der neue 612 R ist eine Überarbeitung. Warum?

Ja, es ist eine Überarbeitung des 612 Ergowave Sattels. Die Ergebnisse meiner Masterarbeit haben gezeigt, dass der 612 Ergowave Sattel nicht bei allen Bedingungen der richtige Sattel ist. Das bedeutet bei extensiven und auch sportlichen Radfahrten funktioniert der 612 Ergowave Sattel hervorragend und bleibt auch weiterhin unsere Empfehlung für diesen Einsatzbereich. Jedoch bei höheren Belastungen (hier sprechen wir von wettkampforientierten Trainingseinheiten) sowie auch einer starken Sattelüberhöhung, in einer sehr sportlichen Sitzposition, habe ich, in meiner Studie Veränderungen der Beckenstellung feststellen können. Diese führt dazu, dass der Druck auf dem Sattel anders verteilt wird. Kurzum gesagt, benötigen Fahrer im sehr sportlichen, wettkampforientierten Bereich eine andere Entlastung. Die Form des 612 R Sattels wurde auf diese Bedürfnisse überarbeitet und bietet so durch eine stärkere Taillierung, sowie eine schmälere und kürzere Sattelnase eine bessere Druckverteilung für diesen Einsatzbereich. Das Sattelbreitensystem steht auch bei diesem Sattel weiterhin im Vordergrund und so gibt es den 612 R Sattel in 3 verschiedene Breiten und ist für Männer und Frauen gleichermaßen einsetzbar. 



Für wen ist der 612 ERGOWAVE® und für wen der 612 R?

Der 612 Ergowave ist für Rennrad oder MTB Race Fahrer, die eher lange Distanzen absolvieren und etwas aufrechter auf dem Rad sitzen wollen (max. +2 Sitzposition, Sattel zu Lenker auf gleicher Höhe).

Der 612 R hingegen ist für Rennrad und MTB XC Fahrer, die gern schnell unterwegs sind, eventuell sogar Rennen fahren. Sie haben eine sportlich gestreckte Sitzposition, die eine starke Überhöhung des Sattels (max. +1 Sitzposition, Lenker tiefer als Sattel) mit sich bringt.  Der neue 612 R Ergowave Sattel bietet bei hohen Intensitäten weiterhin eine Entlastung des Dammbereichs, sowie genügend Beinfreiheit für muskulöse Oberschenkel. Gleichzeitig sorgt er für genügend Komfort auf langen Distanzen. Vorausgesetzt man vermisst sich mit der SQlab Sitzknochenvermessung und rechnet seine Sattel Größe richtig aus!



Ergonomie im Rennsport, aber auch im Hobbysport – Warum ist das so wichtig und was macht den Unterschied?

Ergonomie ist der Schlüssel zum Erfolg. Jeder Motor läuft nur so schnell, wie er eingestellt ist. Laufen die Zahnräder nicht optimal ineinander, so läuft es einfach nicht geschmeidig genug, um mit den Besten mit halten zu können. Das Beispiel gibt die Formel 1 ziemlich gut vor. Dort ist es lange nicht mehr der Fahrer allein, der das Rennen gewinnt, sondern zu einem Großteil die Ingenieure, die die letzten Prozent aus dem Auto herausholen. Dasselbe kann über die Verbindungspunkte vom Menschen zum Rad gesagt werden. Passt der Sattel nicht optimal, gibt es an der Stelle Probleme und diese zwingen uns zu einer Schonhaltung, aus der eine 100% Leistungsentfaltung nicht mehr möglich ist. Das Gleiche gilt auch für die Hände und Füße. Das ist der Ergonomiegedanke, der mich antreibt.


Deine Masterarbeit wurde jetzt mit dem „Dr. Gertrude Krombholz-Preis 2019“ von der TU München ausgezeichnet. Offensichtlich ist sie so gut, dass du sie veröffentlichen wirst und der 612R wurde mittlerweile auch schon von der Branche mit einigen Awards ausgezeichnet. Mal ehrlich, das ist schon ein Lob, oder?

Absolut. Im Moment kann ich mich nicht beklagen. Es läuft hervorragend. Das hätte ich selbst nicht gedacht, denn die Überleitung vom Studium in den Beruf ist meistens sehr schwer. Außerdem waren die Fußstapfen vom Toby, als „mega“ erfolgreichen und erfahrenen Sattelhersteller richtig groß. Ich denke dieser Gedanke, dass ich alles geben muss, um da irgendwie mitkommen zu können, hat alles aus mir herausgeholt, was ich nur konnte. Einerseits in der Masterarbeit, aber andererseits auch im Produkt selbst. Als Racer bin ich es gewohnt an meine Grenzen zu gehen, daher hat mir das Ganze schon richtig Spaß gemacht. 


Ein Produkt ist immer so gut, wie das ganze Team. Wie funktioniert eigentlich so eine Produktentwicklung in der Praxis und wie bei SQlab?

Ja das ist absolut so. Ohne das Team um mich herum wäre das nie gelungen. Ich hatte ja wirklich keine Erfahrung, wie ich das Thema angehen sollte. Aber da haben mich Mitch (Head of Productmanagement), Toby und Stephan (CAD) stark herangeführt und mir zu jeder Zeit mit Rat und Tat zur Seite gestanden. 

Zuerst braucht man die Idee, dann spielt man durch, ob es sich überhaupt lohnt, in dem Bereich etwas Neues zu entwickeln. Anschließend überlegt man sich konkrete Vorgaben, die von den Konstrukteuren umgesetzt werden sollen. Bei uns ist der Ergonomiegedanke bzw. die Funktion an erster Stelle. Sobald der Entwurf steht, kommen die kleinen Details, die unsere Produkte bei SQlab besonders machen. Da kommt es schon mal vor, dass man mehrere Stunden gemeinsam vor dem Computer am CAD Modell sitzt und die Zehntelmillimeter rechts oder links von den Produkten anhebt, senkt, dreht etc. Ist das Produkt von unserer Seite am PC durch, lassen wir fahrstabile 3D Drucke machen, um das Produkt auch in Realität und im Labor, mit Hilfe von Druckmessgeräten zu testen. Das zieht meistens weitere Verbesserungsschleifen und auch 3D Druck Schleifen mit sich. Erst wenn wir uns ganz sicher sind, schicken wir unsere Entwürfe zu unserem Produzenten. Dieser hat dann meistens auch noch Änderungen, also gibt es erneut ein paar Schleifen, bis es letztendlich für alle Beteiligten passt. 

Im Anschluss erfolgen die Materialwahl, Härtegrade und das Design in enger Abstimmung mit dem Marketing. Erst dann wird produziert und selbst das zieht sich meistens weitere 4-6 Monate hin. Also insgesamt kein Prozess, der innerhalb ein paar Wochen erledigt ist.


Die „Performance Line“ umfasst nicht „nur“ ein Produkt, sondern auch neue Griffe und Innerbarends®. Was ist das Ziel?

Nach der Überarbeitung des 612 Ergowave habe ich mir die Griffe sowie die Innerbarends angeschaut und aus den 711 den 711R gemacht, sowie die 411 R Innerbarends aus den bestehenden. Beides wurde gewichtsreduziert, ohne jegliche Einbußen im Komfort und Ergonomie. Bei dem 711R Griff haben wir ein neues, sehr leichtes Material verwendet, das ohne Schelle funktioniert, eine ergonomische Form einnehmen kann und gleichzeitig genügend Dämpfung bietet, trotz einem sehr geringen Gewicht von 59g/Paar. Die Innerbarends 411R sind das absolut Minimalistische und Effektivste, was wir in unserer SQlab Produktpalette haben. Lediglich 39g wiegen die beide zusammen, sind aus einem Stück Carbon gefertigt und bieten eine Leistungsverbesserung von 5% durch Veränderung der Handposition. Das sollte an Argumente genügen, oder?

Auch Teil unserer neuen Performance Line ist die SQ-Short ONE12 mit einem 4mm dünnen Polster, die durch wenig, aber sehr komprimierten Material, so viel Komfort bietet wie keine andere Hose bzw. wie kein anderes Hosenpolster, auf dem Markt. 

Ich bin mir sicher, dabei wird es aber nicht bleiben und die Performance Line wird in den kommenden Monaten noch wachsen.


Performance ist für mich…

eine Grundeinstellung.