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Erektile Dysfunktion und Impotenz beim Fahrradfahren

Wissenschaft & Forschung - Medizin - Technik & Radsport


Wir bei SQlab wollen nicht mit der Angst spielen, sondern wir wollen Probleme lösen. Trotzdem muss man zunächst mal die Wissenschaft und die Ärzte fragen, wie groß und Ernst das Problem beim Fahrradfahren ist und wo die Ursachen dafür liegen, damit wir keine Probleme lösen, die es überhaupt nicht gibt.

Was es zweifelsfrei gibt ist das Thema Radfahren und Impotenz. Impotent bedeutet Unfruchtbarkeit und erektile Dysfunktion ist, wenn die Erektion nicht mehr ausreicht, wir reden hier von der sexuellen Leistungsfähigkeit oder erektilen Dysfunktion.

Letzteres lässt im Alter nach. Alkohol, Zigaretten mit Sicherheit auch Lungenbeeinträchtigungen, Bewegungsmangel, Übergewicht und vieles mehr beeinträchtigen diese Leistungsfähigkeit ebenfalls. Es ist kein „an / aus“, sondern es steigt und fällt. Wie die Ausdauerleistung beim Radfahren, der eine gewinnt den Marathon, der andere ist im Mittelfeld, aber die meisten sind zu unfit und machen beim ersten Anstieg nach der Hälfte schon schlapp.

Die sexuelle Leistungsfähigkeit hängt tatsächlich direkt an der Ausdauerleistung. Insofern ist Radfahren, Schwimmen, Laufen ein perfektes Training, insbesondere Radfahren ist eine langanhaltende Ausdauerleistung, die noch dazu direkt aus dem Becken kommt - perfekt. Nur leider zeigen Studien, dass die Rate, der unter einer erektilen Dysfunktion leidenden Männern bei Radfahrern bis zu 4 x höher liegt, als bei Läufern oder Schwimmern und das lässt sich ganz eindeutig auf den Sattel zurückführen. Zumal es da insbesondere zwischen 1995 und 2004 sehr viele Studien zu diesem Thema gab, mit eindeutigen Ergebnissen, die die negativen Auswirkungen von falschen Sattelformen verdeutlichen: von 34 Studien haben 33 zum Ergebnis geführt, dass eine relativ große, oft unterschätzte Gefahr besteht, dass durch das Radfahren das „erektilen Dysfunktions“-Risiko erhöht wird. Dennoch wird das Radfahren empfohlen. Wichtig ist nur, dass das Alarmzeichen „Taubheit“ nicht missachtet wird und auf die richtige Sattelbreite sowie eine tieferliegende Sattelnase geachtet wird. 

Daraufhin haben wir bei SQlab das Sattelbreitensystem und das Stufensattelkonzept entwickelt, um die genannten Probleme erfolgreich zu lösen. Mit einer neuen Studie 2021 von Masterand Lukas Fritsch zu dem Thema „Perinealer (Damm) Belastung beim Fahrradfahren“, hat SQlab die Studien von damals mit den Technologien von heute nochmals überprüft und aktuelle Sattelkonzepte miteinander verglichen. 


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„Perineale Belastung beim Fahrradfahren“

Beim sportiven Radfahren liegt die Hauptlastunterstützung auf der Schnittstelle Sattel. Diese Last tritt dabei häufig im Dammbereich auf. Die Grundform eines Sattel-Konzepts sollte aber auf eine möglichst geringe perineale (Damm) Belastung abzielen. Zur Überprüfung der perinealen Belastung wurden im Rahmen einer Masterthesis des Karlsruher Institut für Technologie der Einfluss von folgenden Fahrradsattel-Konzepten Flach (FK), Loch (LK), Gewellt (GK) und dem Stufensattelkonzept (SK) gegenübergestellt. Die perineale (Damm) Belastung wurde durch den transkutanen Sauerstoffpartialdruck, die dynamische Druckmessanalyse und den subjektiven Komfort erfasst. 

Ergebnisse „Oxygenierung des Penis“ 

Für die Analyse fuhren 21 männliche Probanden  in einer randomisierten Testung vier verschiedene Sattel-Konzepte auf einem stationären Radergometer mit einem Oberkörperwinkel von 40° zur Horizontalen. Dabei wurden die Sauerstoffversorgung auf der Glans Penis (Eichel), der mittlere und maximale Druck (medilogic Druckmessfolie) sowie der subjektive Komfort erfasst. Die Ergebnisse zeigen anhand der Individualität, dass die perineale (Damm) Belastung stark personenabhängig ist. 


Jedoch weisen die Ergebnisse zudem darauf hin, dass die Sattel-Konzepte „Gewellt“ und „Stufensattel“ mit einem erhöhten Sitzbeinbereich eine geringere perineale Belastung aufweisen als die Sattel-Konzepte „flacher Sattel“ und „Lochsattel“, bei denen der Sitzbeinbereich auf derselben Ebene wie der Dammbereich liegt. 

"Jeder Dritte Proband liegt unter einer Sauerstoffversorgung von 25% beim "Flach" Sattel-Konzept." 

Dies kann mithilfe der Sauerstoffversorgung des Penis verdeutlicht werden. Der normalisierte PtcpO2 unterschreitet bei den Sattel-Konzepten „Stufensattel-Konzept“ und „Gewellter Sattel“ deutlich seltener die 25% der Oxygenierung des Penis als bei den Sattel-Konzepten „Flacher Sattel“ und „Lochsattel“.  So liegen bei dem „Flachen Sattel“ und „Lochsattel“ knapp 30% der Probanden unter diesem Wert, beim „Gewellten Sattel“ 5% und bei dem „Stufensattelkonzept“ 0%.

"Vier Probanden hatten beim "Loch" Sattel-Konzept eine Sauerstoffversorgung unter 10%." 

Zudem sind bei dem flachen Sattelkonzept, bei dem Lochsattel und bei den gewellten Sattel Probanden unter kritischen 5% der Oxygenierung des Penis zu finden. Bei dem Stufensattelkonzept tritt dieses Phänomen nicht auf.   

Was passiert bei einer zu niedrige Sauerstoffversorgung?

Eine zu niedrige Sauerstoffversorgung provoziert die Bildung von Bindegewebe und führt zu einer Art „Verkalkung“ / Verengung der Arterien. Das verschlechtert wiederrum den benötigten Blutfluss, was im fortgeschrittenen Stadium eine erektile Dysfunktion zur Folge hat. Bereits bei nur 25% Sauerstoffversorgung ist dieser Effekt zu beobachten. Kurzfristig (ein paar Minuten) ist das im Rahmen der Toleranz, aber langfristig ,wie beispielsweise über die Dauer einer Radtour, gilt es diesen Bereich der 25% nicht zu unterschreiten. Unter 5% der Sauerstoffversorgung sollte der Wert in keiner Situation sinken, da das direkt zum Absterben des Gewebes führen kann. 

„Druckmessung & Komfort“   

Des Weiteren sind bei dem „Stufen“ Sattel im Vergleich zu den anderen Konzepten weniger Überschreitungen bei den Druckspitzen über 15N/cm2 (Maximale Gewebetoleranz (Staudte, 2013/2016))  zu beobachten. Das „Flach“ Konzept erzeugt im Dammbereich bei 9 Probanden, das „Loch“ Konzept bei 13 Probanden, das „Gewellte“ und „Stufen“ Konzept bei jeweils 7 Probanden Druckwerte über dieser Grenze. So werden besonders bei dem „Flach“ und “Loch“ Konzept ca. 40-59% der Stichprobe im Bereich der sensiblen Strukturen der Dammregion schädlichen Druckspitzen ausgesetzt, die zudem in den Maximas über denen des „Stufen“ Konzept liegen (LK: 38 N/cm2, SK 22N/cm2). Zudem weißt das „Stufen“ Konzepts bei der subjektiven Bewertung der perinealen Belastung den geringsten Diskomfort  im Vergleich zu den anderen Sattel-Konzepten auf.

Fazit der Arbeit

Allgemein sind bei der Analyse der perinealen (Damm) Belastung beim Radfahren eine große Intra- und Interindividualität zu beachten. Die Belastung kann dabei stark von der individuellen Anatomie sowie der 3D-Beckenbewegung abhängen. 

Jedoch zeigt sich deutlich, dass im Bezug auf die perineale (Damm) Durchblutung das Stufensattel-Konzept Vorteile mit sich bringt. 

Wichtig für die perineale (Damm) Entlastung ist demnach vor allem die passende Sattelbreite orientiert am Einsatzzweck und der Sitzposition sowie die Stufensattel-Form. 



Bisherige Studienlage

Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass Sportler generell seltener an erektiler Dysfunktion (e.D.) leiden als Nichtsportler. Ergebnisse mehrerer Studien lassen annehmen, dass ca. 6 – 10 % aller Männer zwischen 30 und 50 Jahren unter moderater bis schwerer e.D. leiden. Eine sehr aussagekräftige Studie unter Sportlern hat ergeben, dass 1,1 % der Läufer an moderater bis schwerer e.D. leiden, 2 % der Schwimmer und 4,2 % bei den Radfahrern. Davon ausgehend, dass die positiven Effekte des Radfahrens mindestens mit denen des Laufens vergleichbar sind, ergibt sich für 3,1 % der Radfahrer anstatt einer Verbesserung eine Verschlechterung bis in den kritischen Bereich. Es muss aber nicht immer gleich zum Schlimmsten kommen – die sexuelle Leistungsfähigkeit steigt und sinkt wie z.B. auch die Muskelkraft oder Ausdauerleistung. Mit steigendem Altem nimmt sie allerdings überproportional ab. Es macht also Sinn, Sport zu treiben, insbesondere Rad zu fahren, dabei aber auf den anatomisch korrekten Sattel zu achten. Es wäre doch schade, wenn die positiven Effekte durch den falschen Sattel wieder zunichte gemacht würden.

Im Jahr 2001 wurde eine Studie veröffentlicht von Dr. Frank Sommer, die die Sauerstoffversorgung des Penis während dem Radfahren gemessen hat. Mit dem Ergebnis, dass nach bereits 10 Minuten der Wert auf ein bedenkliches Niveau sinkt, bei dem auf jeden Fall mit temporären Einschränkungen der sexuellen Leistungsfähigkeit zu rechnen ist. Getestet wurden schon damals verschiedene Sattelformen: Lochsattel, gewellter Sattel und flacher, weicher Sattel. Ergebnis war, dass alle drei Sattelkonzepte ähnlich schlechte Werte aufzeigten. Die (damals) modernen Sättel mit Loch oder V-cut, also die vermeintliche Lösung, zeigten schlechtere Werte als der klassischen Problemsättel. Der einzige Sattel mit guten Werten war der klassische Rocksattel ein ovales Brett aus Holland.

2003 erschien dann eine Studie zu dem selben Thema mit dem Ergebnis aus Druckmesstests, das Lochsättel für Mann als auch für die Frau gefährlich sind, weil diese den Druck auf die Randzonen des Lochs konzentrieren.

2004 erschien eine Metaanalyse aus 62 Studien zum Thema Radfahren und Impotenz. Ergebnis: „Conversely, Dettori et al. found increased risk of erectile dysfunction mainly in those who cycled with a cutout saddle, specially designed to prevent numbness and erectile dysfunction, and experienced perineal numbness.“ (zu Deutsch: "Umgekehrt fanden Dettori et al. ein erhöhtes Risiko für erektile Dysfunktion vor allem bei denjenigen, die mit einem ausgeschnittenen Sattel fuhren, der speziell zur Verhinderung von Taubheitsgefühlen und erektiler Dysfunktion entwickelt wurde, und die ein perineales Taubheitsgefühl erlebten.“). 

> zu den Studien 

Quellenachweis: (Huang V, Munarriz R, Goldstein I., Institute for Sexual Medicine, Department of Urology, Boston University School of Medicine, 720 Harrison Avenue, Boston, MA 02118, USA., Sep. 2005)